Entwicklung der Abfallwirtschaft

In der Zeit während und nach den Ereignissen des 2. Weltkrieges hatte man verständlicherweise andere Sorgen als sich penibel mit Umweltschutzfragen auseinander zu setzen. Die allgemeine Notlage zwang zu einem sorgsamen Umgang mit den Ressourcen. Die Wiederverwendung und Wiederverwertung von Rohstoffen und Gütern, die Reparatur von Gebrauchsgegenständen oder die Langzeitnutzung von Dingen des täglichen Lebens wurden zur Selbstverständlichkeit. Aus Mangel an Vorschriften und Gesetze begnügte man sich in diesen Zeiten überwiegend damit, die anfallenden Abfälle entweder in eine Grube oder sogar in ein nahe liegendes Gewässer zu „entsorgen“. In fast allen Gemeinden entstanden auf diese Weise nach heutigen Begriffen „wilde Müllablagerungen“, die letztendlich zu einer Vielzahl von Altablagerungen und Altlasten führten.

Die Auffassung der damaligen Zeit zu den von den Abfällen ausgehenden Gefahrenpotentialen unterschied sich wesentlich von den heutigen Erkenntnissen. Offenbar stellte der Hausmüll zur damaligen Zeit lediglich ein hygienisches Problem und nicht ein umfassenderes Umweltproblem dar.

Die Entwicklung der Abfallwirtschaft in Niederösterreich

Niederösterreich, wollte dem ungebremsten Deponiewachstum entgegentreten und tat dies auch schon unter dem Eindruck der rollenden Mülllawine. 1972 wurde das NÖ Müllbeseitigungsgesetz, (LGBl.8240-0/1972) beschlossen. Die einzelnen Gemeinden sollten verpflichtet werden, den Müll von bebauten Grundstücken zu entsorgen. Zielsetzung dabei war einerseits die Einführung einer geordneten Müllabfuhr in den Gemeinden, in weiterer Folge die Regionalisierung der Deponiestandorte und schließlich die Einführung höherwertiger Behandlungsverfahren für den Müll.

Entwicklung der Abfallwirtschaft

Bild: Restmüllabfuhr, 1973

In den 70er Jahren wurde im Weinviertel der Abfall in Säcken von der Gemeinde abgeholt. In den ländlichen Gemeinden erfolgte die Abfuhr mit dem Gemeindetraktor. Man fuhr zur Gemeindedeponie und kippte die Abfälle den Hang hinunter. Jahre später wurde diese Deponie abgedeckt und Wald/Wiese oder Wein angebaut. Zeuge dieser vergangenen Zeit sind versteckte Tafeln im Wald oder am Wegesrand..da steht dann „Müll ablagern verboten“..meistens verbergen sich dahinter, jetzt schon sehr unscheinbar … eine ehemalige Deponie.

Entwicklung der Abfallwirtschaft

Bild: Gemeindedeponie in Niederösterreich

Erinnern tun sich nur die wirklich alten Semester unter unter uns an diese Zeit. Ein Freund erzählte mir: Als Kinder sind wir dort hinunter gestiegen und haben uns in die Autowracks gesetzt und gespielt..die Augen leuchteten, als er es mir erzählte 🙂

Die formulierten Ziele, wie etwa Deponiewachstum vermeiden, konnten aber bei weitem nicht realisiert werden. Zu tief saßen die Gewohnheiten in den Bewohnern fest. Weiterhin wurden Deponien angelegt und auch genutzt. Die Müllentsorgung ließ sich auch in den kleinen Gemeinden nicht annähernd wirtschaftlich durchführen. Das augenscheinliche Scheitern des ersten Müllbeseitigungsgesetzes in NÖ führte zu einem interessanten Schritt der Landesregierung.

Revolutionäre Entwicklung in den 70 ern

1974 wurde die NÖ Umweltschutzanstalt im Rahmen des Umweltschutzgesetzes 1974 (LGBl.8050- 0/1974) als Körperschaft öffentlichen Rechts eingerichtet und unter anderem beauftragt, Maßnahmen zur Entsorgung und Verwertung von Müll und anderen Abfallstoffen an geeigneten Standorten durch entsprechende Methoden, zu setzen.

Die Zuordnung der Müllbeseitigung zu Umweltbelangen ist geradezu als revolutionär zu bezeichnen und war sicherlich ein entscheidender Anlass zur Ausformung der Abfallproblematik als Umweltproblem und nicht als logistisches oder räumliches Problem. Die Verwertung von Müll wurde ebenfalls erstmalig angesprochen. Im Zusammenhang mit „…geeigneten Methoden der Verwertung“ wie es im Gesetzestext heißt, sind hier sicherlich die Anfänge der Abfallwirtschaft in Österreich gesetzlich festgeschrieben worden.

Bild: Deponie Hollabrunn 2000

Nachdem es im Jahr 1975 außer der Deponie des Müllbeseitigungsverbandes Neunkirchen noch immer keine überregionale Behandlungsanlage gab, versuchte man seitens des Landes neue und vor allen Dingen sichere und dem Stand der Technik entsprechende Deponien, Kompostierungs- oder Verbrennungsanlagen zu errichten. Diese verursachen aber bei der Errichtung und vor allem beim Betrieb beträchtliche Kosten. Ein Umstand der die Landesregierung zwang größere Einzugsgebiete für überregionale Müllbehandlungsanlagen zu bestimmen.

Innerhalb weniger Jahre konnten in 15 von 21 Bezirken Niederösterreichs überregionale Müllbehandlungsanlagen errichtet werden, die Großteils bis in die 90er Jahre in Betrieb blieben.

Fazit

Unsere abfallwirtschaftliche Zeitreise zeigt, dass Abfälle den Menschen von Beginn seines Seins an begleitet haben. Phasenweise hat sich der Mensch, meist die Obrigkeit, intensiver damit beschäftigt, phasenweise kaum und manchmal gar nicht. Erst nach Überwindung der ärgsten Folgen des Zweiten Weltkrieges ist der Abfall zu einem stets wichtiger werdenden Thema für die Gesellschaft geworden – also ziemlich genau in den letzten 50 Jahren. Als es der Wirtschaft besser ging, fing der Konsum erst so richtig an. Die Abfälle setzen sich heute ganz anders zusammen als vor 30 Jahren. In meiner Kindheit gab es die ersten Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen. Heute stehen die in jeden Haushalt, oft auch mehrere Exemplare, die entsorgt gehören. Beim Kunststoff schaut es ebenso aus. Eine leichte voluminöse Masse, die entsorgt gehört. Auf all diese Entwicklungen müssen in der Abfallwirtschaft eingegangen werden.

Trennen muss nach wie vor die Devise sein. So spart ihr Kosten, die Verwertung funktioniert besser und weniger Abfall muss thermisch verarbeitet werden, Eure Trennsetterin

Quelle

Gottfried Hösel:” Unser Abfall aller Zeiten

Geschichte der Abfallwirtschaft in Österreich von Markus Ossberger

Entwicklung der Müllabfuhr in Wien

NÖ Abfallwirtschaftsgesetz 1992

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