„Reparieren statt wegwerfen“ ist ein Begriff, den man im Moment sehr häufig hört. Es sprießen Reparaturcafes  und Re-use Shops aus dem Boden. Der Wunsch sein Elektrogerät oder das geliebte Möbelstück zu reparieren wird stärker. Das Bewusstsein ein qualitativ hochwertiges Produkt zu kaufen rückt vermehrt in den Vordergrund.

Neben positiven Stimmen werden auch negative laut. Die einen freuen sich, dass ihr Gerät repariert wird, böse Zungen sprechen von Schwarzarbeit und Pfuschertum.

Wenn man sich etwas mit Reparieren beschäftigt, kann man feststellen, dass es gar nicht so einfach ist. Es gibt diverse Videos im Netz, wie man das Elektrogerät reparieren könnte, oft scheitert man aber am Werkzeug. Ich habe versucht meine Kaffeemaschine zu reparieren, leider sind die Schrauben so tief im Gerät drinnen, dass man mit einer Zange nicht hineinkommt. Auch der Schraubenzieher ist nicht erhältlich. Daher harrt sie im Keller, bis ich doch eine geschickte Person finde, die sie öffnen kann.

Ich möchte euch hier verschiedene Initiativen vorstellen, sowie die Bedenken des Gewerbes erläutern.

Das Reparatur Kaffee

Das ist ein Veranstaltungsformat mit temporär eingerichteter Selbsthilfewerkstatt zur Reparatur defekter Alltags- und Gebrauchsgegenstände und kleinem Verpflegungsangebot (Wikipedia). Im Jahr 2017 trafen sich erstmals  Vertreter der ehrenamtlichen österreichischen Reparaturinitiativen, um ein bundesweites Netzwerk zu gründen (Repanet).

Unterschiedliche Initiativen organisieren Reparatur Kaffees in Österreich. Vom Roten Kreuz, über die Volkshilfe oder private Vereine. In Tirol gibt es das dichteste Netz und eine sehr gute Webseite, wo man sich Ideen für die eigene Umsetzung holen kann.

Im Bezirk Hollabrunn startete in Pulkau das erste Reparatur Kaffee durch. Im Coworking Center hat man das Glück eines großen Raumes inklusiver Küche. HTL Schüler, pensionierte HTL Lehrer und Bastler standen dem Besucher Andrang zur Verfügung.

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Tipps wie man einen Plattenspieler wieder in Gang bringt oder eine zu stark aufgedrehte Feder bei einer Uhr, sowie die Unterstützung beim Einbau eines kaputt gegangenen Teils bei einem Bandschleifer waren nur ein Teil der Reparaturunterstützungen. Ich war schon bei vielen Veranstaltungen, aber hier hatte ich ein unheimlich gutes Gefühl am Ende des Tages. Ein Gefühl für die Bevölkerung und die Region etwas geleistet zu haben. Gleichgesinnte, die etwas zur Abfallvermeidung tun wollten und belohnt wurden. Alle äußerst interessiert und gerade in Zeiten von Hass und Hetze waren sie füreinander da.

Der Re Use Shop

Eine andere Möglichkeit Alltagsgegenstände vor dem Wegwerfen zu bewahren sind Reuse Shops. Intelligente, sparsame, möglichst lange, kurzum nachhaltige Nutzung von Produkten und Ressourcen stehen im Vordergrund.  „Re-Use“ steht also für die Wiederverwendung alter, aber noch brauchbarer Gegenstände. Wohl der bekannteste Reuse Shop ist das DRZ in Wien. Arbeitssuchende Menschen erhalten die Chance, praktische Erfahrungen zu sammeln und wieder in ein geregeltes Arbeitsleben zurückzufinden.

Meine Kollegen vom Abfallverband Schwechat haben die Idee des Re Use Shops ebenfalls aufgegriffen und gemeinsam mit der Volkshilfe einen Shop eröffnet.

Fazit

Abfallvermeidung war viele Jahre ein geflügeltes, Nichts sagendes Wort. Es gab kaum Möglichkeiten Abfall zu vermeiden. Auf der einen Seite jammern wir, dass der Müll immer mehr wird, auf der anderen Seite werden Projekte wie Reparatur Cafes oder Re Use Shops belächelt oder es wird die Gefahr der Schwarzarbeit befürchtet.

Dem kann ich nichts abgewinnen. Es werden Produkte verkauft, die mit eigenen Mitteln kaum zu reparieren sind. Bei meinem Drucker ist komischerweise nach genau einem Jahr, der Toner leer. Danach kann ich meine Uhr stellen. Man spricht hier von geplanter Obsoleszenz. (Das werde ich einmal extra erläutern). Anstatt etwas auf den Markt zu bringen, das auch repariert werden kann, wird die Wegwerfgesellschaft gefördert.

Bei einem Reparatur Cafe bleibt die Kaufkraft in der Region. Bei meinem Plattenspieler war nur die Sicherung kaputt. Diese habe ich gleich beim Elektriker in Pulkau gekauft. Daheim eingesetzt und er funktioniert wieder.

Interessierte Bürger geben Leuten mit zwei linken Händen Tipps, zeigen wie man das Gerät öffnet und ob es Sinn macht es noch zu reparieren. Auch das Nähen ist für manche ein unlösbares Problem und Profis stehen mit Rat und Tat zur Hilfe.

Gleichgesinnte tauschen sich aus, schauen sich gegenseitig über die Schultern und tauschen sich aus. Wenn man es ‚gscheit macht, werden die Ersatzteile in der Region gekauft und dann hat die Wirtschaft auch etwas davon.

Bin gespannt wie sich diese Art der Vermeidung weiterentwickelt, eure Trennsetterin

Interessante Links

Pressebericht über den Re Use Shop des Abfallverbandes Schwechat: ORF NÖ

Ein Artikel über Schwarzarbeit: OEnetz.de

Das Reparaturnetzwerk: Repanet

Der österreichische Reparaturführer

Niederösterreichische Online Tausch/Verkauf/Schenkbörse: So gut wie neu

NÖ Reparaturbonus, 23.7.2019