Entsorgungsfachbetrieb

Wer kann sich vorstellen, dass in einem Wasserkocher oder Glätteisen Rohstoffe enthalten sind, die man verwerten kann? Ist doch nur eine Kunststoffhülle. Ein Handy macht zum Teil bessere Bilder als eine Digitalkamera. Es muss hier eine Technologie dahinter stehen, die das möglich macht.

E-Schrott: Was ist das?

Ich erkläre es immer ganz einfach. Dinge, die mit einer Batterie oder einem Kabel verbunden sind, sind Elektrogeräte. Gibt das Produkt ein Geräusch von sich oder bewegt es sich, liegt es nahe, dass es ein Elektrogerät ist. Ist das Gerät kaputt gehört, es in das Abfallsammelzentrum/Mistplatz oder wie man bei euch sonst noch dazu sagt.

Ein paar Bespiele für kleine Elektrogeräte

  • Haushaltsgeräte: Mixer, Fön, Staubsauger
  • IT Geräte: Drucker, Telefon, USB Stick, Laufwerk, Radio
  • Werkzeuge: Bohrmaschine, Kreissäge, Schleifer
  • Freizeitgeräte: Scooter, E Bike

Wenige machen sich einen Kopf, dass das Recycling dieser Produkte wichtig ist bzw wie das überhaupt funktioniert.

Obwohl bereits in den 90 er Jahren die Entsorgung von Fernsehern und Kühlschränken auf den Deponien sichtbar anstieg, erfolgte erst Anfang der 2000er die flächendeckende Umsetzung der Sammlung von Elektrogeräten. Die ersten Entsorgungsbetriebe überlegten sich wie man die Inhaltsstoffe der Elektrogeräte herausholen und auch verwerten kann. Man begann mit händischen Zerlegungen, aber das ist bei den kleinen Elektrogeräten ein ökonomischer Irrsinn.

Ich möchte euch in diesem Blog die Zerlegung der kleinen Elektrogeräte näher bringen. Ich besuchte die Firma Höpperger in Tirol und lies mir die Anlage erklären und fand es sehr interessant, wie man auf einfachste Weise unter Hinzunahme von physikalischen Eigenschaften Elektrogeräte in seine Bestandteile zerlegen kann.

E-Schrott Zerlegung der Firma Höpperger, Pfaffenhofen/Tirol

Zwischen Innsbruck und Telfs liegt die Ortschaft Pfaffenhofen. Ein Talkessel, rundherum  Bergland. Da geht einem Weinviertler das Herz auf. Eingebettet zwischen verschiedenen Betrieben liegt der Ressourcenpark. Auf diesen Standort steht die eingehauste Kompostanlage, die Kunststoffsortierung und die E-schrott Zerlegung.

E - schrott

Herz der „E-schrott Anlage“ ist der sogenannte 40 Tonnen schwere Querstromzerspaner. (Man kann sich das als großen metallischen Zylinder vorstellen) Dieser wird mit gemischtem E-Schrott befüllt, ohne dass dieser vorher aufbereitet bzw. demontiert werden muss. Das Material wird nass verarbeitet, was den Vorteil, dass es in der Anlage nicht staubt und die Brandgefahr durch Batterien ist geringer.

E-schrott

 gemischte Kleingeräte (Mikrowelle, Haarfön, Staubsauger etc)

Anschließend wird das Füllgut in Rotation versetzt. Durch die intensive Beschleunigung prallen die Geräte mit hoher Energie aufeinander. Schon nach wenigen Sekunden Verweilzeit in der Maschine beginnt der Aufschluss – die Verbunde werden getrennt und freigelegt.

Nur ca. 30% des Materials kommt mit dem Beschleunigungswerkzeug (Ketten, siehe Bild unten) in Berührung. Den restlichen Aufschluss übernimmt das beschleunigte Material selbst. Im Vergleich zu herkömmlichen Zerkleinerungssystemen ergibt sich durch die Verarbeitungsform ein wesentlich niedriger Verschleiß der Werkzeuge. Die Kapazität der Anlage ist bis zu 6 Tonnen pro Stunde ausgelegt.

E-schrott

Bild: Eine Kette im Querstromzerspaner besteht aus 5 Gliedern mit jeweils 18 cm Länge, sowie einer Materialstärke von 3,6 Zentimetern. Sie wiegt ca 30 kg und hält bis zu 40 Stunden. Die linke Kette ist verschlissen, die rechte neu.

Mit automatischen Trenn- und Siebsystemen sowie manuellen Sortierungen erfolgt die anschließende Separierung zu vermarktungsfähigen Materialien, wie z.B. Fe-Metallen, Aluminium, Kupfer oder Edelstahl.

Händische SortierungNierosterKupferKupferwelleMotorenKunststoffFeine BuntmetalleKabelHolz von LautsprechernIntakte BatterienKleine Metalle
Voriger
Nächster

Ein großer Vorteil dieser Verarbeitungsart liegt, neben höchsten Rückgewinnungsquoten, in der schonenden Behandlung des Aufgabematerials. So werden schadstoffhaltige Batterien und Kondensatoren während des Prozesses nicht geöffnet oder beschädigt, sondern sauber freigelegt und automatisch entfrachtet.

Diese sortieren Fraktionen werden zum Teil bei der Firma Metran, Kematen bei Amstetten/NÖ weiter aufbereitet. Durch die verschiedenen physikalischen Eigenschaften, schwimmen manche Fraktionen am Wasser auf, andere bewegen sich in der Mitte und der andere Teil sinkt zu Boden. Das Material wird abgeschöpft und anschließend weiter verarbeitet. Nur ein geringer Teil muss thermisch verarbeitet  werden.

E-Schrott

Sink Schwimmverfahren

Fazit:

Ja, man kann auch die Elektrokleingeräte in Österreich verwerten. Die Buntmetalle werden so sortiert, dass sie im Schmelzofen wieder neu eingeschmolzen werden. Durch das Sink Schwimmverfahren werden auch die Kunststoffteile von den metallischen Anhängen getrennt. Wenn möglich sollten die Batterien herausgenommen werden. Speziell Lithium Ionenbatterien sind leicht brennbar und sollten entfernt werden.

Hinweis zu einem themenverwandten Blog von mir : Rohstoffe in deiner Schublade

Quellen

Elektro Ade: HP der Elektroaltgerätekoordinierungsstelle

Höpperger: Bilder und Filme beim Entsorger Höpperger in Tirol

Müller Guttenbrunn: Durch das Sink Schwimmverfahren werden die Fraktionen noch feiner getrennt

Auch weiterhin viel Spaß beim Lesen und teilen des Blogs, eure Trennsetterin