Problemstoff

Begrifflichkeiten wie Sondermüll halten sich hartnäckig. Was soll das sein? Sonderbarer Müll? Sonstiger Müll? Gesonderter Müll? 1991 wurde das Sonderabfallwirtschaftsgesetz erlassen. Durch dieses Gesetz wurde bei der NUA (ehemaliger Deponiebetreiber in Niederösterreich) die Abteilung Sonderabfall gegründet. Hier fand ich meine erste Anstellung (siehe: Seite über mich). In erster Linie wurde der Abfall der Betriebe auf gefährliche Abfälle kontrolliert. Der Begriff Sondermüll verschwand sehr schnell wieder aus der Gesetzgebung. Ersetzt durch den Begriff Problemstoff und gefährlicher Abfall.

Es gibt keinen Sondermüll. Wir reden von Problemstoff und gefährlichen Abfall

  • Problemstoffe sind gefährliche Abfälle, die üblicherweise in privaten Haushalten anfallen. (§ 2 Abs. 4 Abfallwirtschaftsgesetz 2002, BGBl. I Nr. 102/2002, i.d.F.v. BGBl. I Nr. 54/2008).
  • Gefährliche Abfälle sind Problemstoffe aus Betrieben und eher betriebsspezifische Abfälle.

All diese Begriffe haben eines gemeinsam-> sie sind gefährlich für Mensch, Tier und Natur.

Bei manchen Abfällen ist es klarer, ob er gefährlich ist, bei anderen wenig. Die Gefahrensymbole, die an den Produkten angebracht sind, deuten daraufhin, dass man aufpassen sollte. Hier die drei wichtigsten:

Wenn man es genauer betrachtet sitzen wir daheim auf einem Giftmülllager. Ich denke hier an meine Dispersionskübel vom Fassaden anstreichen. Seit 15 Jahren stehen sie am Dachboden, weil man könnte sie ja noch brauchen. An Spraydosen mit Ameisengift, weil im Frühjahr die Ameisen eine Straße ins Vorzimmer verlegen. WC Steine, damit das Klo gut duftet und eigentlich nur das Wasser verseucht. Gelsenvernichtungswaffen, weil man das Licht einschaltet und das Fenster offen lässt. Haarfestiger in Spraydosen, wobei die wenigsten wissen, dass diese Verpackungen ein Drittel Treibmittel enthält.

Hier ein paar Beispiele

Toner

Unser Drucker braucht beinahe auf den Tag genau nach einem Jahr einen neuen Toner. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das immer so genau ausgeht, dass er leer ist. Da sprechen wir von Obsoleszenz. Das bedeutet, das der Hersteller das Produkt so baut, dass es im Fall eines meines Druckers, nach dem Druck einer gewissen Stückzahl an Papier, leer ist. Spannende Materie, mehr dazu in einem meiner nächsten Blogs. Hier vorerst ein Link zu einem Artikel.

Problemstoff

Spraydosen

stehen unter Druck und alleine deswegen stellen sie eine Gefahr für die Umwelt dar. Nicht nur, dass ein Großteil der Verpackung ein Treibmittel beinhaltet, kann auch die Farbe, der Haarspray oder das Insektenvernichtungsmittel darin gefährlich sein. Bei Hitze, falscher Handhabung oder Verpressung in einem Müllfahrzeug können die Dosen explodieren. Ein Video der Feuerwehr visualisiert das Problem.

Problemstoff

 

Kosmetika

Oft verkannt werden Kosmetika. Wir schmieren sie uns ins Gesicht, lackieren uns die Nägel oder waschen uns die Haare und dann sollen sie gefährlich sein? Parabene sorgen für die Haltbarkeit, Bezophenone sind chemische UV Filter in Sonnencremen, Tenside sollen Wasser und Fett verbinden etc. Auch wer chemisch nicht sehr bewandert ist, bemerkt, dass diese Stoffe nicht gerade gesund sind und schon gar nichts im Abfall verloren haben. Leider wandern gerade diese unscheinbaren Abfälle im Restmüll. Im Bild seht ihr Problemstoffe, die bei der Restmüllanalyse einer Wohnhausanlage heraussortiert wurden. Auf der Webseite von Global2000 findet man Testberichte über verschiedene Produkte und deren Inhaltststoffe.

Problemstoff

Batterien

Auch Batterien aller Art gehören in die Kategorie der Problemstoffe. Es gibt so kleine, dass Sie in die Hörgeräte oder die Implantate der Diabetiker passen. Knopfbatterien aus Uhren, Nickel Cadmium Batterien für Fernbedienungen, Lithium Ionen Batterien von Handys oder Fahrzeugbatterien. Leider werden gerade die kleinen manchmal auch aus Unwissenheit über den Restmüll entsorgt. Dadurch landen Schwermetalle in der Verbrennung, die mit schwierigen Methoden aus dem Abgas gefiltert werden müssen.

Problemstoff

Stahlflaschen

Sogar Stahlflaschen haben sich in der Zwischenzeit zu einem Problemstoff verwandelt. Acetylen, zB, ist ein sehr instabiles Gas, daher sind Acetylengasflaschen mit einer porösen Masse aus Calciumsilicathydrat oder ähnlichen gefüllt, die mit Aceton getränkt sind. Campinggasflaschen sollte der Händler zurücknehmen. Für die anderen Gasflaschen haben wir keinen Abnehmer. Egal ob mit Ventil oder ohne können wir sie nicht entsorgen. Gerade hier sieht man wie wichtig es ist, sich vor dem Kauf zu informieren, wie sie dann entsorgt werden können. Vielleicht ist der Holzgriller doch die bessere Variante als der Gasgriller?

Problemstoff

Alternative zu Problemstoffen

Ich stelle mir die Frage, muss ich tatsächlich Problemstoffe einkaufen, um es mir gut gehen zu lassen? Gibt es vielleicht Alternativen zu einem WC Stein, einem Wespenvernichtungsmittel oder Schneckengift? Ja natürlich! Eventuell geht es mit der Insektenvernichtung nicht so schnell oder der Kalk löst sich nicht so schnell aus der Badewanne, aber ein Versuch ist es wert.

Die Umweltberatung hat eine ganze Seite über Kosmetika.

Auch für Putzmittel gibt es Möglichkeiten, um aggressive Reinigungsmittel zu vermeiden. Angefangen bei Putzfasern, über selber hergestellte Produkte. Hier habe ich einen Blog gefunden.

Ein Klassiker sind Toiletten in dessen Schüssel mehrere Duftsteine hängen. Nicht nur, dass das stinkt anstatt gut zu riechen, haben sie keine Wirkung. Was erwartet man sich? Eine WC, dass sich selber reinigt? Außer, dass man Chemikalien mit jedem Spülgang hinunterspült, evt das Körbchen im Wasser versenkt, hat es keinen Sinn.

ProblemstoffZum einen hilft regelmäßige Reinigung mit einem Kalkreiniger, Ätherische Öle sind auch hilfreich und wer unbedingt einen Gel Spender im Klo braucht, könnte ihn auch billig selber mischen. Auch hier eine hilfreiche Seite.

Problemstoff – Entsorgung

Ob es das Abfallsammelzentrum, die mobilen Sammelstellen der Städte oder der Mistplatz ist, egal welchen Namen sie tragen- die Problemstoffe/Sondermüll gehören dort abgegeben. Ein befugter Sammler holt die getrennt gesammelten Problemstoffe ab und transportiert sie zu chemisch-physikalischen bzw. zu thermischen Anlagen – unter Nutzung der Energieinhalte. In Wien in der Müllverbrennungsanlage Simmering werden die Problemstoffe aus Niederösterreich verbrannt.

Problemstoff

Bild: Drehrohrofen der Müllverbrennungsanlage Simmering

Hier geht es zur Homepage der Anlage und wie die Verbrennung funktioniert.

Chemisch-Physikalische  Behandlung von ölhaltigen Schlämmen

Rund 22.000 kg Altöl sammelt zB der Abfallverband Hollabrunn pro Jahr in seinen Abfallsammelzentren

Problemstoff

Der Entsorger transportiert die Problemstoffe zur Weiterbehandlung nach Krems. Hier erfolgt die Nachsortierung und danach der Weitertransport zur Verwertung.

Problemstoff

Die chemisch-physikalische Behandlung organisch wird zur Trennung von Öl-Wasser-Gemischen und Öl-Emulsionen eingesetzt. Dies erfolgt durch Schwerkraftabscheidung und Zugabe von Trenn- und Flockungsmitteln

Problemstoff

In Behandlungsbecken werden Chemikalien/Flockungsmittel  zugesetzt, um eine Abscheidung von Wasser aus den Ölen zu erwirken.

Problemstoff

Die Feststoffe werden durch eine Kammerfilterpresse geleitet. Der entwässerte Schlamm wird danach verbrannt. In einem Tank setzen sich die Schwebstoffe ab, das Wasser wird in die Kläranlage transportiert

Fazit

Wir haben sie alle in unterschiedlicher Menge daheim. Ich denke, dass einiges zu vermeiden wäre. Speziell im Reinigungsbereich und bei den Pflegeprodukten. Die Entscheidung muss jeder für sich treffen. Die Chemiekeule gegen Kalk ist nicht notwendig, da hilft auch Zitronensäure und Natron. Auch die Anzahl der Farbkübel lassen sich berechnen. Nicht jedes Medikament muss man sich aufschwatzen lassen. Vor dem Arztbesuch in den Medikamentenkasten schauen und man wird überrascht sein was sich da findet.

Lange Rede kurzer Sinn: Abfallvermeidung macht auch hier Sinn. Immerhin kostet die Entsorgung von einer Tonne Problemstoffen um die 500€

Viel Spaß beim Lesen, auch Kommentare und Teilen sind erwünscht 🙂