An einem herrlichen Frühlingstag beschloss ich in die große weite Welt zu fahren. Nach sehr langer Zeit besuchten ich wieder das Naturhistorische Museum. 

In einem Seitentrakt habe ich mir die Sonderausstellung “ Ablaufdatum“ angesehen. Sie ist noch bis am 16. Mai 2021 geöffnet und spannt einen Bogen über das Thema Lebensmittelverschwendung von der Landwirtschaft über die Lebensmittelproduktion, den Handel bis zum Verbrauch im Haushalt oder der Gastronomie.

Ich war neugierig wie Lebensmittelverschwendung in einer Ausstellung thematisiert werden kann. Das Thema begleitet mich seit  Jahren in meiner täglichen Arbeit. 

Man wird durch sechs Räume geführt. Beginnend mit beweglichen Leinwänden, die aus großen Mülltonnen herausragen. Darauf werden die verschiedenen Bereiche wie Produktion, Verarbeitung, Handel und Haushalt dargestellt. Danach werden Supermarktregale gezeigt und Tafeln, die auch die Brotproduktion, die Tierzucht uä hinweisen. Es ist sehr gut aufbereitet und es umreißt mit interaktiven Tafeln und Filmen die Thematik. Ich möchte nicht zu viel verraten. Es hat Spaß gemacht und die beweglichen Elemente laden zum Verweilen ein. 

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Schätzungen zufolge landet mindestens ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion auf dem Müll, mit drastischen sozialen und ökologischen Folgen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum, umgangssprachlich oft als Ablaufdatum bezeichnet, ist nur einer von vielen Faktoren für den Verlust von Lebensmitteln. Nimmt man die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel unter die Lupe, so zeigt sich das dramatische Ausmaß der Verschwendung. Sie beginnt in der Landwirtschaft und endet im privaten Haushalt. Aktuellen Studien zufolge landen in jedem österreichischen Haushalt jährlich bis zu 133 Kilogramm an genussfähigen Lebensmitteln im Müll.

Restmüllanalysen 2018/2019

Passend zur Ausstellung habe ich mir die Zahlen der letzten Restmüllanalyse angesehen. 27% Lebensmittelabfälle sind im Restmüll! Davon wären 50% noch genießbar! Unglaubliche Zahlen. Zum einen werden Nahrungsmittel einfach entsorgt, obwohl sie noch genießbar sind und andererseits auch noch im falschen Behälter. Ich bemerke immer wieder das Erstaunen, wenn ich den Leuten sage, das Lebensmittelreste, wenn sie ungenießbar sind, in die Biotonne gehören. Speziell im Speckgürtel um Wien herum, meinen viele, dass Küchenabfälle in die Restmülltonne gehören. 

Restmüllanalyse in Hollabrunn
Ausgangsbasis 6/1100 l Restmülltonnen. Nach der richtigen Trennung wurden es 2/240 l Altpapiertonnen, 2 Gelbe Säcke, 2/1100 l Restmülltonnen
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2012 analysierten 3 Jungs aus der HTL für Lebensmitteltechnologie Restmüllbehälter in einer Wohnhausanlage in der Stadt Hollabrunn. Das Bild schockierte uns sehr. Wenn man bedenkt, dass wir bereits vor 9 Jahren 14% Lebensmittel im Restmüll hatten, ist es nicht besser geworden.

  • 17,1 kg Zubereitungsreste
  • 2,5 kg Speisereste
  • 35,45 kg original verpackte Lebensmittel
  • 55,7 kg angebrochene Lebensmittel

Das ergaben 14,2% Lebensmittel!

Der Grund für das Wegwerfen von Lebensmitteln aus Haushalten ist nicht wirklich enträtselt. Jedenfalls liegt es weder am Haushaltseinkommen, noch an der Altersstruktur der Bewohner, denn Lebensmittel finden sich in den Mülltonnen aller Bevölkerungsschichten.

Marketumfrage „Zu gut für die Tonne“

Ein großer Anteil der Lebensmittelverschwendung spielt sich in Privathaushalten ab, wie auch die Umfrageergebnisse verdeutlichen. Bei 36 Prozent der Befragten wird mindestens einmal pro Woche Nahrung weggeworfen. Vor allem in den jüngeren Generationen wandern Lebensmittel oftmals zu leichtfertig in den Müll. Gut die Hälfte der 14- bis 39-Jährigen entsorgt einmal wöchentlich oder häufiger Speisereste bzw. Lebensmittel, bei den 40- bis 59-Jährigen trifft dies hingegen nur noch auf 3 von 10 zu.

Doch in welchen Situationen sind Lebensmittel für die heimische Bevölkerung nur noch ein Fall für die Tonne? Grundsätzlich entsorgt das Gros der Österreicher*innen Nahrungsmittel in erster Linie, wenn die Genießbarkeit leidet, entweder weil sie schlecht geworden (81%) oder von Schädlingen befallen sind (53%).

Doch unabhängig aus welchem Grund ein Lebensmittel in den Müll wandert, leicht fällt das Wegwerfen kaum jemandem. 95 Prozent fühlen sich schlecht dabei, Nahrung zu entsorgen, wobei Frauen deutlich mehr Gewissensbisse plagen als Männer. Interessanterweise äußern auch die 14- bis 29-Jährigen, die in Bezug auf die Problematik tendenziell unachtsamer agieren, ein besonders unwohles Gefühl.

Die komplette Umfrage könnt  ihr euch hier ansehen: Zu gut für die Tonne

Fazit

In der Ausstellung werden eindrucksvolle Daten und Fakten präsentiert. Aber noch viel wichtiger ist das Aufzeigen konkreter Wege aus dem Teufelskreis der Verschwendung. Denn unser aller Konsumverhalten kann dazu beitragen, die Welt zu verändern. Ich habe es sehr interessant gefunden, dass in einem Museum überhaupt das Thema Lebensmittelverschwendung aufgegriffen wurde. Es ermöglicht unabhängig von den herkömmlichen Medien wie TV, Print oder Social Media Plattformen eine weitere Variante der Information. Ein Umdenken kann nur passieren, wenn wir von unterschiedlichen Blickwinkel Einblicke erhalten, diese annehmen, umsetzen und im besten Fall auch noch weitersagen.

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