2 Kommentare

  • Antwort Muvimaker 30. Juli 2019 at 10:08

    Vielen Dank für den Artikel – ich möchte dazu gerne ein paar Bemerkungen anbringen. Es handelt sich zum Teil um selbst Erlebtes, einige Eindrücke wurden mir auch von sehr guten – und vor allem glaubwürdigen – Bekannten berichtet:

    Zuerst zur plötzlichen Nachhaltigkeitswelle der Konzerne und Supermärkte. Ich glaube, dass das nur so etwas wie eine Flucht nach vorne ist. Es ist ein Faktum, dass in mehr oder weniger absehbarer Zeit die bei uns so heißgeliebten Plastiksackerl (oder für die deutschen Leser – Kunststofftüten) flächendeckend durch Verbote verschwinden werden. Daher muss sich die Industrie sowieso umstellen. Dass dies nicht ohne Kosten geht (die jedenfalls auf den Konsumenten überwälzt werden – schließlich sind die Konzerne ja keine karitativen Einrichtungen), und man auch hier viel Geld verdienen kann, war bzw ist auch eine Tatsache. An die plötzliche Entwicklung Richtung soziale Kompetente bzw Menschlichkeit glaube ich schon lange nicht mehr. Dann würde sich das auch in den Arbeitsbedingungen und der gerechten Entlohnung äußern.
    Also tun wir zumindest etwas für die Optik und reden wir zumindest davon. Damit wären wir wieder beim Thema. Erst wenn wirklich der prozentuelle Anteil an Mehrwegflaschen steigt und der PET-Anteil sinkt (und zwar merkbar), dann tut sich meines Erachtens etwas. Sonst bleibt es beim berühmten Lippenbekenntnis (der Vergleich zur seit Jahrzehnten geforderten Verwaltungsvereinfachung im öffentlichen Dienst tut sich auf).

    Abfallvermeidung beim Einkauf: Kann ich bedenkenlos unterschreiben, mache ich nach Möglichkeit (leider sind diese noch immer sehr eingeschränkt).

    Zum offen angebotenen Gemüse/Obst wäre jedoch eine Problematik zu klären: Wie prüft der Anbieter ob der Konsument ehrlich ist? Nehmen wir einmal an, jemand möchte ein Kilo Bananen kaufen. Diese Früchte wachsen halt noch nicht abgewogen auf der Pflanze. Also abwiegen und in das mitgebrachte Behältnis legen. Eventuell ein Pickerl drauf und fertig. Das ist bei solchen Früchten noch zu überschauen. Doch wie funktioniert es mit Erdbeeren, Paradeisern (je nach Größe) und ähnlichen Produkten? An der Kasse beginnt schon das Problem: Auspacken, nachwiegen, vielleicht diskutieren, usw. Da genau solche Tätigkeiten vom Handel absolut unerwünscht sind (das schlägt sich ja auf den Umsatz nieder), geht der Trend zu den Kassen ohne Personal. Wie würde der Einkauf hier gehandhabt werden? Einen RFID-Chip für jede Erdbeere? Fragen über Fragen.

    Das nächste Problem ist die von vielen Konsumenten so hochgelobte Hygiene. Wenn alles offen angeboten wird, dann greift jeder alles an. Da mittlerweile bei den Backwaren die völlig irre Lösung mit Zange (kann ich noch einigermaßen verstehen) und Einweghandschuhen praktiziert wird, wie sieht es dann bei anderen Produkten aus? Viele Obst- und Gemüsesorten kann und soll man waschen, bei Pilzen ist das nicht so. Eine Freundin berichtete mir, sie wollte Eierschwammerl kaufen und vor ihr hätte ein (drücken wir es politisch korrekt aus) Mann mit dunkler Hautfarbe und mutmaßlichem Migrationshintergrund die ganze Steige förmlich durchwühlt, dann zum Abschluss noch kräftig geniest und schließlich doch nichts gekauft. Dass es nach dieser Begegnung mit dem Erwerb der Pilze dann doch nichts wurde – wen wundert das nicht?

    Wurst, Käse, Dosengetränke, etc: Bei all diesen Produkten bzw deren Verpackung ist eine nicht zu übersehende Komponente der Hauptgrund für die Verwendung bzw den Konsum: Die generell vorherrschende und bei manchen Leuten fast schon an Kreativität grenzende Faulheit! Dies wird noch ein größeres Problem als die ganze Umstellung von Kunststoff oder Einweg auf wiederverwertbar bzw Mehrweg sein.

    Die „Umstellung“ muss im Kopf stattfinden, der/die Konsument/in muss seinen/ihren Hintern bewegen (auch im übertragenen Sinne gemeint), um etwas zu bewegen. Es ist viel schwieriger etwas durchzusetzen, wenn ich irgendwo hingehen muss, um bspw eine Unterschrift zu leisten, dann muss ich aktiv werden. Deshalb tun sich manche Volksbegehren so schwer. Viele Menschen sind der Ansicht, es müsste etwas geändert werden. Wenn es jedoch um die Unterstützungserklärung geht, dann müsste man ja von der Couch aufstehen (natürlich geht es auch online, aber auch dafür muss man ja ein paar Finger krumm machen).

    Und zum Schluss komme ich noch auf unsere Kinder zu sprechen. Wenn die Entwicklung so weitergeht (Mobiltelefon bereits im Volksschulalter, ohne Suchmaschinen- und Internetunterstützung zT völlige Ahnungs- und Hilflosigkeit, Abhängigkeit von (a)sozialen Medien bis hin zum Suizid, potenzielle Zielgruppe für Onlinekonsum [siehe oben – Stichwort Faulheit], Fastfoodkonsumenten par excellence, usw, usf), dann sehe ich schwarz für die Zukunft. Und so paradox es klingt, schuld daran sind wir. Wir, die wir es nicht schaffen bzw geschafft haben, genau diese Entwicklung zu lenken bzw zu vermeiden. Weil unsere Generation es unbedingt wollte, dass es den Kindern besser geht als uns. Es geht ihnen übrigens sehr gut, viel zu gut. Und weil es ihnen so gut geht, glaube ich auch, dass den meisten der Umweltschutz ziemlich gleichgültig ist. Ja, reden und in den Medien diskutieren, das tun sie voller Leidenschaft. Denn wenn man das nicht macht, dann ist man ja out oder es ist uncool.
    Bei all dem was Greta T uns momentan vorzeigt: Ich möchte gerne wissen wie es aussähe, würden die Demonstrationen außerhalb der Schulzeit stattfinden – wieviele Teilnehmer es dann gäbe.
    Doch bevor dieser Kommentar in eine Themenverfehlung ausartet: Abfallvermeidung hat vor allem etwas mit Umdenken, Einschränkung, Verzicht, Initiative zu tun. Und genau deshalb tun Sie sich als Abfallberaterin so schwer. Alleine diese vier Punkte wirken wie Gewichte an den Beinen der Betroffenen. Und wer wird sich schon freiwillig mit etwas belasten, um damit langsamer voranzukommen?

    PS: Das Verbot von Plastiksackerln ist ein Plastiksackerlverbot oder Plastiksackerl-Verbot, gleiches gilt für PET-Flaschen, Biosackerl-Test.
    Bitte schreiben Sie zusammengesetzte Hauptwörter auch zusammen oder zumindest mit Bindestrich.
    Bei der Mehrweg-Einweg-Debatte geht es doch auch. Es fördert jedenfalls die Lesbarkeit.
    PPS: Fast Foodkonsumenten (die Korrekturvorschläge von MS Word sind unter jeglicher Kritik…)
    Danke!

  • Antwort Einweg durch Einweg ersetzen?! - Trennsetterin 2. Dezember 2019 at 6:57

    […] Abfallvermeidung beim Einkauf […]

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