Mehrweg

Mehrweg ist seit 20 Jahren in aller Munde. In den 90ern hatten wir eine Mehrweg – Glasflasche für Milch, Wasser, Fruchtsäfte und Bier. Langsam wurden diese Angebote weniger. Da und dort tauchten die Mehrweg PET Flaschen auf. Die Milch Flasche verschwand um 2001 über Nacht aus den Supermarktregalen. Die Bierflasche im Mehrwegbereich blieb bestehen. Auch die Mehrweg PET Flasche verabschiedete sich bald und übrig blieb die Einwegflasche. Für die Recherche dieses Artikels fiel mir eine Aktion aus dem Jahr 2001 ein.

Wir versuchten die Mehrwegflasche zu retten. Wir wissen heute, dass es uns damals nicht gelang, aber ich möchte euch die Bilder nicht vorenthalten…

Mehrweg
2001: Dr Mayr, Geschäftsführer vom Verband Gänserndorf besuchte das Ministerium und die Wirtschaftskammer. Er versuchte auf die explodierende Einwegbombe an Einwegflaschen hinzuweisen. GVU-Bez. Gänserndorf

Der Einwegplastikberg explodiert

Die Entscheidung für Einweg hat angeblich der Konsument getroffen. Man möchte nicht so schwer tragen! Wenn man sich die unzähligen Supermärkte ansieht, die außerhalb der Städte errichtet wurden, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Bürger zu Fuß gehen. Auch die alten „Mutterln“, die für alles herhalten müssen, können diese Märkte nicht erreichen.

Hat es vielleicht doch andere Gründe, Personal, Lagerflächen, Transportwege? Ist den Konzernen der ökologische Fußabdruck, der vermeintlichen schweren Glasflasche wirklich ein Anliegen?

Mehrweg
Exkursion von Kids zur Sortierungsanlage des gelben Sackes, GV Gmünd

Überraschend stiegen die Mengen der Einwegplastikflasche dramatisch an. Ich frage mich immer, warum muss ich in Österreich stilles Mineralwasser in einer Flasche kaufen? Wir haben das Glück in den meisten Teilen des Landes, das Wasser aus dem Wasserhahn trinken zu können. Aber nein, da fährt man in den Supermarkt und kauft dort stilles Wasser und schleppt es heim. Sammelt dann die leeren Plastikflaschen in einem gelben Sack, hortet diese mehrere Wochen in der Garage oder sogar in der Wohnung und stapelt diese dann am Abfuhrtag vor der Tür.

Trinkwasser

In Österreich kommt unser Trinkwasser aus Quell- und Grundwasser. 10% entnehmen das Wasser ihren Hausbrunnen, der Rest wird über Wasserversorgungsanlagen aus dem Gebirge zu uns gepumpt. Durch den natürlichen Filter der Gesteine versickert das Regenwasser, reichert sich mit Mineralstoffen an und kann jahrelang in den Speicherschichten der Steine vorliegen. Wer wissen möchte wie es um die Trinkqualität sein Wasser steht kann sich in der Trinkwasserdatenbank ein Bild davon machen.

Säfte

Natürlich ist es praktisch, wenn man Säfte als Konzentrat fertig kauft. Ein kleiner Schwung in das Glas, Wasser drauf und fertig. Auch die bereits fertigen Säfte im Getränkeverbund oder der Flasche sind schnell geöffnet und ausgetrunken. Es sollte aber klar sein, dass sich um ein paar Euro kein qualitativ hochwertiges Obst darin befindet, wenn überhaupt Obst die Flasche jemals berührt hat. Nicht nur, dass die Säfte chemisch haltbar gemacht werden und wahrscheinlich auch viel Chemie darin enthalten ist, entsteht ein Berg an Kunststoff.

Eine alternative für die, die wissen wollen, was sie trinken, wäre es den Saft selber herzustellen. Ich habe früher gerne Melissensaft und Hollerblütensaft selber hergestellt. Aufwendiger wäre Obst zu entsaften.

Im Internet findet man eine Vielzahl an Rezepten, hier geht es zu meinem Melissensaftrezept und meinem Hollerblütensaft

Mehrweg
Kleine Zitrone gefällig?

Milch im Glas

Seit einiger Zeit findet man in den Regalen wieder die Milch im Glas. Bei meinem kleinen Greisler im Ort ist es sogar eine Mehrwegflasche gefüllt mit Milch aus dem Waldviertel. In den Supermarktregalen der großen Ketten sind es Einwegflaschen. Leider hat die Einweg – Glasflaschen einige Mankos. Wie das Wort so schön sagt, ist sie nur für den einmaligen Gebrauch und dann wandert sie in den Glascontainer. Von dort zur Vetropack nach Pöchlarn hier werden die Scherben eingeschmolzen, zu Flaschen gegossen, zu den Abfüllern verschickt und dann wieder in das Geschäft transportiert. Mehrwegflaschen können bis zu 20 mal befüllt werden, bevor sie aussortiert werden und ins Recycling gelangen.

Mehrweg
Eine kleine Auswahl an Mehrweg-Milchprodukten, die in manchen Geschäften zu kaufen sind

Die Umweltberatung hat hier einen Faktencheck zusammengestellt, der eindeutig für die Mehrwegglasflasche spricht. Hier zum Bericht.

Welche Getränkeverpackung ist nun umweltfreundlich?

Egal welchen Bericht man zu lesen bekommt, sollte man sich den Absender der Studie durchlesen. Kein Auftraggeber veröffentlicht etwas wo sein System am schlechtesten abschneidet. Das einmal vorweg geschickt. Etwas mehrmals zu verwenden kann nur besser sein als einmal, auch wenn das Einwegprodukt im besten Fall in einen Sammelbehälter entsorgt wird.

Die Mehrweg PET Flasche hat wegen seines Transportgewichts die beste Ökobilanz. Gibt es aber im Moment nicht zu kaufen.

Die Bilanz der Einweg PET hat sich aufgrund er Recyclingmöglichkeit verbessert.

Dosen und Einweg Glasflaschen sind das Schlusslicht, da der Energieaufwand bei der Produktion sehr hoch ist.

Zusammengefasst kann man sagen, Mehrweg vor Einweg, aber die Unterschiede liegen im Produkt. Der Produktionsort, sowie die gewählte Verpackung und die Transportwege beeinflussen die Ökobilanz maßgeblich. Mehrweg PET vor Einweg PET, Mehrweg Glas vor Einweg Glas. Details hat die Umweltberatung zusammengestellt.

„Würden die 188,9 Mio. Einweg-0,33 l Glasflaschen durch 0,33 l-Mehrwegflaschen ersetzt, die 40 Mal umlaufen, so könnten 184 Mio. Einweg-0,33 l Glasflaschen oder 97,5% eingespart werden. Wenn eine 0,33 l-Einwegbierflaschen 180 g wiegt, fallen rund 33.000 Tonnen nicht als Altglas an, was in der Produktion dem Energieverbrauch von 14.000 Haushalten entspricht, „geht aus einer Pressemeldung der ARGE österreichischer Abfallverbände hervor.

Ist das Flaschenpfand eine Lösung?

Durch eine Pfandlösung erhofft man sich, dass die Entsorgungsmöglichkeit “ Auto“ eingedämmt wird. Immerhin sind die meisten Abfälle, die bei der Flurreinigung eingesammelt werden Einweggetränkeverpackungen. Ich würde es als Lenkungsmaßnahme sehen, dass die Flaschen im Handel zurückgegeben werden und somit nicht im Restmüll oder am Wegesrand landen.

Ob die Rücknahme gleichzeitig bedeutet, dass sie auch noch weitere Male verwendet werden, bezweifle ich. Hier müssen einfach attraktive Lösungen gefunden werden.

Mehrweg
Beschriftung auf den Flaschen

Mehrweg oder Einweg, es liegt in deiner Hand..

Alles super? Eindeutig nicht, denn der Großteil der Getränke für den Haushalt wird im Lebensmitteleinzelhandel gekauft und dessen Mehrweg-Angebot ist derzeit völlig unzureichend. Mehrwegflaschen spielen dort nur bei Bier und teilweise bei Mineralwasser eine Rolle. In allen anderen Warengruppen kommen sie nicht über einen mengenmäßigen Marktanteil von einem Prozent hinaus!

Um die Wahlfreiheit der KonsumentInnen wiederherzustellen, ist ein entsprechendes Mehrwegangebot im Lebensmitteleinzelhandel unbedingt notwendig. Das Mehrwegangebot der österreichischen Abfüller ist eine Chance für nachhaltigen Konsum in Österreich.

Quelle: Generationblue

Umweltberatung

Weitere Artikel zu dem Thema passend:

  • Glasrecycling, wie funktioniert das? Mehr in meinem Blog-Artikel
  • Littering durch Plastik, Vermüllung der Natur, hier kann ich ebenfalls mit einem Artikel dienen.
  • Der Verband österreichischer Abfallberater hat auch einige gute Artikel auf ihrer HP

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