Littering

Das Frühjahr lockt nicht nur Naturliebhaber heraus, sondern auch zahlreiche Freiwillige, die unser grünes Wohnzimmer sauber machen. Gelitterte Abfälle sind hauptsächlich Einwegverpackungen. Flaschen, Dosen gehören zu den häufigsten gelitterten Abfällen. Immer wieder wird das Einwegpfand als die Lösung der vielen widerrechtlichen Ablagerungen gefordert. Ich bat den Bundeskoordinator Dr Hans Mayr der ARGE Abfallverbände zu einem Gespräch.

Die ARGE ist ein Verein, der die österreichischen Abfallverbände..also uns vertritt. Der Verein ist unser Sprachrohr ins Ministerium, zu den Bundesländern, dem Städte- und Gemeindebund und umgekehrt.

Wie schaut die Entwicklung in Einwegplastikbereich aus?

Im Zug der Umsetzung der sogenannten Single-Use-Plastic-Directive bereiten wir uns auf die kommenden Bestimmungen hinsichtlich Flurreinigung und Anti-Littering-Aktionen vor.

Zur Zeit sorgen gerade Hersteller wie Coca-Cola und ihre Lizenzierungsorganisation ARA mit der Aktion „wir räumen auf, Miteinand!“ für ziemliches Kopfschütteln und Unverständnis bei den Ämtern der Landesregierungen und den Abfallwirtschaftsverbänden. Auch der Handel setzt sich plötzlich auf die Aktionen und fordert zur Flurreinigung auf.

Wie setzt sich der gelitterte Abfall zusammen?

Aus Untersuchungen des Materials in Salzburg geht hervor, dass 75% des Volumens der eingesammelten Abfälle aus der Natur, Getränkeverpackungen sind. Nach Masse sind es ca. 20%!

Littering

Quelle: Amt der Salzburger Landesregierung und Pulswerk: Littering in Salzburg, Salzburg 2017

Welche Gegenmaßnahmen kannst du dir vorstellen?

Die Abfallverbände und mit ihnen nun auch schon drei Landtage (NÖ., OÖ., Vrlbg.) fordern das Ministerium, die Einführung eines Einwegpfandes ernsthaft zu prüfen. Ansonsten sollen sie klar legen, wie es gedenkt, dass in Österreich die 90% Sammel- und Verwertungsquote von Kunststoffflaschen bis 2029 erreichen wird.

Darüber hinaus wird es eine große Diskussion über die Umsetzung der Bestimmung in der Einwegkunststoff-Produkte-Richtlinie in Österreich geben. Lt. § 21 sollen die Hersteller die Kosten für die gelitterten Abfälle tragen (With regard to single-use plastic products for which there are no readily available suitable and more sustainable alternatives, Member States should, in line with the polluter pays principle, also introduce extended producer responsibility schemes to cover the necessary costs of waste management and clean-up of litter as well as the costs of awareness-raising measures to prevent and reduce such litter. These costs should not exceed the costs that are necessary to provide those services in a cost-efficient way and should be established in a transparent way between the actors concerned).

Wie schauen die nächsten Schritte aus?

Auf EU-Ebene wird gerade eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit der Berechnungsmethode der Litteringkosten beschäftigen soll. Da wird die ARGE ihre Expertise einbringen und alle Kosten des Litterings von den Herstellern einfordern.

Wie kommt ihr zu den Zahlen?

Die ARGE  wird eine Erhebung über die Flurreinigungsaktionen in Österreich machen, um aufzuzeigen, welche Umweltleistungen hier von den Freiwilligen erbracht werden. Die Abschätzung 2015 hat ergeben, dass sich rund 150.000 Personen an 1800 Aktionen (lt NÖ Umweltverbände: Alleine in NÖ sind es um die 600 Aktionen pro Jahr) beteiligt haben und rund 800 t Müll aus der Natur eingesammelt haben.

Was möchtest du meinen Lesern mitgeben?

Ich lade die Blog-Leser ein, die App von Global 2000 „Dreckspatz“ ganzjährig zu nutzen, weil diese App die Fundstellen von gelittertem Material sichtbar macht: Die erste Auswertung wurde im Bericht „Müll in Österreichs Natur“ veröffentlicht.

LAbg. Bgm. Anton Kasser (Präsident der NÖN Umweltverbände) vertritt dazu auch die Meinung, dass die Hersteller verantwortlich für die Kosten gemacht werden müssen. Sie produzieren Einwegverpackungen, also sollen sie auch der öffentlichen Hand die Entsorgungskosten erstatten. Es kann nicht sein, dass dadurch sogar die Müllgebühren steigen müssen.

Danke für das informative Gespräch

Fazit

Ich finde es sehr eigenartig, dass die Hersteller und der Handel, die seit Jahren das Littering Thema negieren, plötzlich auf den Zug aufspringen. Meiner Meinung nach der verkehrte Weg. Sie fordern Menschen auf, den Dreck, den andere gemacht haben, wegzuräumen. Besser wäre doch einen Aufruf zu machen, den Dreck nicht wegzuschmeißen. Die hätten die finanziellen Ressourcen. Die Gemeinden und die Abfallverbände kümmern sich um den Rest, der noch immer in der Natur liegen bleibt.

Ob das Einwegpfand das gelbe vom Ei ist, wird sich weisen. Zumindest können die Flurreiniger wenigstens ihr Jause mit den gelitterten Abfällen bezahlen, wenn sie sie dem Handel zurückbringen 😉

Ich halte euch über die Einwegverpackung-Plastiksackerl-Wattestäbchen Verbot Geschichte am Laufenden, eure Trennsetterin

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