Mann schaut ins Feuer

Im Frühjahr durfte ich einer Einladung der FCC Austria Abfall Service AG nach Zistersdorf folgen. Neugierig wie ich bin folgte ich dieser sehr gerne und fuhr an einem regnerischen Tag, Hügel ab und Hügel an in den Bezirk Gänserndorf. Auf einer kleinen Anhöhe einige Kilometer außerhalb der Stadtgemeinde fand ich das grau/blaue Gebäude, in dem sich die Müllverbrennungsanlage befindet.

Passend zu dem Thema habe ich in der zweiten Ausgabe des Kommunal einen Artikel gelesen. Darin wird auf den Stand der Verbrennungsanlagen in Österreich eingegangen. Das möchte ich an dieser Stelle kurz zusammenfassen.

Stand der Abfallverbrennung in Österreich

Im Jahr 1963 ging die erste österreichische Abfallverbrennungsanlage in Betrieb. Heute werden in elf Abfallverbrennungs- und 51 Mitverbrennungsanlagen rund 40 Prozent der Siedlungsabfälle thermisch verwertet. Rund 60 Prozent der Siedlungsabfälle werden dem Recycling zugeführt. 

Mit der Abfallverbrennung-Sammelverordnung (BGBl. II Nr. 389/2002) wurden die Regelungen der europäischen Abfallverbrennungsrichtlinie (RL 2000/76/EK) in österreichisches Recht umgesetzt, wobei zum Teil striktere Vorschriften für Luftemissionen festgelegt wurden, die eingehalten und zum Teil deutlich unterschritten werden. Die Luftemissionen können Tagesaktuell auf der Homepage der FCC nachgelesen werden. Die Anlagenbetreiber müssen den zuständigen Behörden jährliche Emissionsmeldungen übermitteln, die das Umweltministerium alljährlich in Berichtsform veröffentlicht.

Die Verbrennungsanlage
FCC Zistersdorf

Trennung versus Verbrennung

Ich höre immer wieder: Wozu sollen wir trennen? Es wird doch eh wieder alles zusammengeschmissen. Macht doch keinen Sinn. 

Natürlich macht Abfalltrennung Sinn. Je besser getrennt wird, desto wenig muss thermisch verwertet werden und man kann dadurch Rohstoffe einsparen. Die getrennte Sammlung und das Recycling von Altstoffen und biogenen Abfällen sowie die effiziente thermische Verwertung von nicht recyclingfähigen Abfällen sind unverzichtbare Eckpfeiler einer modernen Recyclinggesellschaft. Auch bei einer gut ausgebauten getrennten Sammlung und der Erreichung hoher Recyclingquoten fallen am Ende bzw. während
des Recyclingprozesses noch immer Abfallfraktionen an, die für das Recycling nicht geeignet sind bzw. diesem nicht zugeführt werden dürfen. Abfallverbrennungs- und Mitverbrennungsanlagen behandeln diese nicht recyclingfähigen Abfälle nach dem modernsten Stand der Technik.

Abgesehen davon ist es ein Unterschied, in welcher Größe die Verbrennungsanlagen errichtet werden müssen. Ohne Mülltrennung müssten die Anlagen um ein Vielfaches größer konzipiert werden als bis dato.

Was ist das besondere an der FCC Zistersdorf Abfall Service GmbH?

Der Firmensitz ist in Himberg und hat 17 Standorte in Österreich. Die FCC Environment CEE Group hat insgesamt 100 Standorte in 7 europäischen Ländern.

Im Gegensatz zu anderen Anlagen in Österreich hat sie eine Verbrennungslinie und das Rauchgas wird „trocken“ gereinigt. Alles andere ist gleich. Der Restmüll und der Sperrmüll wird per LKW und Bahn antransportiert. In den Müllbunker entladen. Der Bunker fasst 4.000 Tonnen Abfälle, was die Kapazität für eine Woche beträgt. Mit Greifern wird der Abfall auf den Feuerungsrost aufgebracht. Darauf werden 18 Tonnen Abfälle pro Stunde verbrannt.

Klingt jetzt natürlich einfacher als es ist. Es steckt ein ausgeklügeltes System dahinter, das 33 Mitarbeiter am Laufen halten.

Gewerbeanlieferung per Bahn
600 Tonnen Abfall pro Tag werden angeliefert. 70% per Bahn
Abfallbunker
Mit einem Greifer wird der Abfall auf den Rost aufgetragen
Rostfeuerung
18 Tonnen Abfall pro Stunde werden verbrannt
Dampfkessel
Aus Abfall wird Dampf erzeugt. Der Dampf treibt die Turbine an, die Strom erzeugt
Anlagenleiter
Am Bildschirm sieht man die Funktionsweise der Anlage
Die Warte
Von diesen Arbeitsplätzen aus überblickt man die ganze Anlage
Voriger
Nächster

Es beginnt bei der Sichtung im Abfallsammelzentrum am Fuße der Anlage. Hier wird kontrolliert, ob Fremdstoffe enthalten sind, wie Elektrogeräte oder Problemstoffe. Die Person, die den Greifer bedient, muss darauf achten, dass die Durchmischung des Abfalls gegeben ist. Der Anteil an Kunststoff darf nicht zu hoch sein, da sonst der Rost beschädigt werden kann. Mit dem Greifer wird daher an verschiedenen Stellen Müll aufgenommen. Immerhin passen in den Greifer 3m³ Abfall hinein!

Am Ende der Verbrennung wird Schlacke, Asche und Metall ausgeschieden. Pro Jahr werden ca 2.500 Tonnen Eisenschrott ausgeschieden und in der Stahlindustrie weiterverarbeitet. Asche und Schlacke wird in Österreich deponiert. Der Filterkuchen wird in einer Untertagedeponie in Deutschland gelagert.

Asche und Schlacke Bunker
Metallstücke
Schlacke und Asche
Eisenschrott
ca 2.500 Tonnen pro Jahr
Voriger
Nächster

Natürlich darf das andere Endprodukt nicht unerwähnt bleiben. Der Strom, der gewonnen wird. Immerhin beziehen 30.000 Haushalte in der Umgebung ihren Strom, das durch die Verbrennung unseres Abfalles gewonnen wird.

Rauchgasreinigung

Wie ich schon zu Beginn erwähnt habe bedient sich die FCC einer trockenen Rauchgasreinigung. Zur Entfernungen von Schadstoffen, die im Verbrennungsprozess entstehen (Im Gegensatz zur Verbrennung im Kachelofen daheim, wo es keine Reinigung des Rauches gibt!) muss das Rauchgas gereinigt. Dem Rauchgasstrom wird Natriumhydrogenkarbonat zugeführt. Im Prozess wird es zu Natriumkarbonat, Wasser und Kohlendioxid umgewandelt. Die Abtrennung erfolgt dann in Filtern. Wenn man einschlägigen Magazinen glauben kann, soll die Variante der trockenen Rauchgasreinigung die bessere sein. Ich kann dazu nichts sagen, da ich es nicht beurteilen kann. Ich habe dazu die Seite ESWE Bioenergie gefunden. Hier auch ein Auszug aus dem Band 10 Energie aus Abfall

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Fazit

Zusammenfassend kann ich euch erzählen, dass jede Anlage egal ob es eine Verbrennungsanlage verschiedenster Betreiber oder Recyclinganlagen sind, sich ähnlich sind und doch anders. Jeder Betreiber macht es etwas anders, hat andere Grundvoraussetzungen. Ob es die Anbindung an die Bahn ist oder in den Bergen wie in Tirol situiert ist. Die Anlagen müssen sich an die Gegebenheiten anpassen. 

Abfallvermeidung, -trennung und Verwertung gehen Hand in Hand. Kein Thema kommt mit dem anderen aus. Es muss klar die Vermeidung im Vordergrund stehen, dass das in der heutigen Konsumgesellschaft schwierig bis kaum machbar ist, ist mir persönlich klar. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft. Trotzdem gilt es: Nicht aufgeben. Weiterhin Geschichten erzählen. Nicht jeder hat die Möglichkeit sich Verwertungsanlagen anzusehen, darum mache ich das sehr gerne und berichte von meinen Eindrücken.

Speziell im Verbrennungsbereich gibt es sehr viele Falschmeldungen, wie zB, das die Anlagen Kunststoff zum Brennen benötigen. Wenn man mit den Anlagenleitern spricht, schlagen sie die Hände über den Kopf zusammen, da genau das Gegenteil wünschenswert wäre.

Dazu habe ich bereits ausführlich geschrieben. Bitte einfach noch einmal nachlesen. Unter Mysterien der Mülltrennung.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und wenn es euch gefallen hat, erzählt es weiter, eure Trennsetterin

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