45 Jahre Glasrecycling in Österreich. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Im Jahr 2022 steht das Glasrecycling im Scheinwerferlicht der Abfallwirtschaft. Die UN rief zum internationalen Jahr des Glases auf. Mit dem Jahr des Glases möchten die UN Impulse setzen, nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu fördern (SDG 12) und nennt explizit ReUse und Recycling  dazu.

Zu den Besonderheiten von Glas zählen die UN unter anderem:

 

  • Das Material Glas begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten, bereichert die Lebensqualität von Millionen Menschen und ist das wichtigste und wandlungsfähigste Material der Geschichte. Wir finden Glas in mannigfachen Bereichen – von der Luftfahrt über Kunst zur Gesundheitsvorsorge und zur Aufbewahrung in Form der Verpackung.
  • Technologien wie Glaspaneele für Photovoltaik, Glasfasern, ultradünnes Sensorglas bieten vielfältige Entwicklungschancen und fördern weitere Innovationen, die die Transformation der Welt im Sinne der Agenda 2030 beflügeln.
  • Dem Material Glas wird ein wichtiger Beitrag zu nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion zugesprochen. Auch wenn die Glasproduktion derzeit noch energieintensiv ist, macht die Glasindustrie immense Fortschritte bei der Reduktion des Energieverbrauchs und der Nutzung erneuerbarer Energien.

Österreichs Glasrecyclingsystem – die ersten 45 Jahre

Dr Harald Hauke, Geschäftsführer der Austria Glas Recycling GmbH und Vorstand der ARA

Ich durfte mit Dr Harald Hauke im Rahmen eines Interviews über die Meilensteine der letzten 45 Jahre sprechen. Hier ein Auszug:

1976 unternahm die Vorläuferorganisation der Austria Glas Recycling – vorerst im Umfeld der Glaswerke – einzelne Glassammelaktionen. Bereits 1977 wurde österreichweit mit einem flächendeckenden Behältersystem durchgestartet. Für 1978 weist die Statistik ein Sammelergebnis von 28.187 Tonnen auf. Mittlerweile halten wir bei rund 260.000 Tonnen pro Jahr. In der Anfangsphase unterstützen karitative Organisationen die Altglassammlung. Heute sind Aufgaben, Ziele und Finanzierung im Abfallwirtschaftsgesetz und der Verpackungsverordnung geregelt.

Meilensteine

1976: Pilotprojekte mit Glassammelbehältern
1977: österreichweiter Einsatz von Sammelbehältern – ‚Geburtsstunde‘ von Österreichs Glasrecyclingsystem
1990er Jahre: Die ersten Doppelkammerbehälter kommen in Salzburg zum Einsatz.
1993: Verpackungsverordnung tritt in Kraft und etabliert Verursachergerechtigkeit.
2000: Das Sammelergebnis übersteigt erstmals die 200.000 Tonnen Marke.
2001: Austria Glas Recycling wird als erstes Unternehmen Österreichs nach der internationalen Umweltmanagementnorm EMAS II, die speziell für Dienstleistungsbetriebe entwickelt wurde und großen Fokus auf die indirekten Umweltaspekte legt, auditiert.
Bobby Bottle, der zauberhafte Flaschengeist, tritt zum ersten Mal in einer Volksschule auf.
2004: erster Stakeholder-Tag des Glasrecyclingsystems. Thema: Umweltauswirkungen im Glaskreislauf
2007: Der 1. Nachhaltigkeitsbericht der Austria Glas Recycling erscheint.
2014: strategische Verschränkung von Austria Glas Recycling und ARA
1. Austria Glas ReCIRCLE mit Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Entwicklung der App ‘glasartig’, der ersten App, die Recycling belohnt
2015: Marktöffnung für Mitbewerber (Sammel- und Verwertungssysteme)
2018: Entwicklung des Glasrecycling-Sustainability-Navigators, der die für die Entwicklung von Österreichs Glasrecyclingsystem relevanten Normensphären – SDGs, EMAS, CSR-Norm, ONR 192500 – verschränkt und in Maßnahmen münden lässt
2019: Entwicklung der Optimierungs-App ‚glassfuture‘, die die Kommunikation der Akteure vereinfacht und die konsequente Verbesserung der Glassammelinfrastruktur beschleunigt
2021: 15. Austria Glas ReCIRCLE mit Anders Indset – Premiere als virtuelle Veranstaltung dieser Dialogreihe

Quelle: Austria Recycling. Das Bild ist aus den 1970er Jahren

Glasklar auf Circular-Economy-Kurs

In Österreich ist mit Recyclingquoten von mehr als 80 % seit vielen Jahren ein überdurchschnittlich hohes Niveau erreicht. Die von der EU im Rahmen von Green Deal und Kreislaufwirtschaftspaket für das Jahr 2030 vorgegebenen Recyclingziele sind für Glasverpackungen bereits heute Standard. „Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir beständig daran, Österreichs Glasrecyclingsystem den Bedürfnissen der Gesellschaft und den Notwendigkeiten der Wirtschaft gemäß zu entwickeln, „erzählt Herr Hauke. „Derzeit ist ein Schwerpunkt die Digitalisierung der Logistik sowie der datentechnischen Begleitprozesse. Davon erwarten wir uns Effizienzsteigerungen und ökologische Verbesserungen (grüne Logistik). Die Synergien mit den Unternehmen der ARA in allen betrieblichen Bereichen – insbesondere Technik und Datenmanagement, Know-how und Expertise, Kommunikation und Marketing – wappnen Österreichs Glasrecyclingsystem bestens für die Gestaltung der Transformation zur Kreislaufwirtschaft.“

Österreichs Glasindustrie arbeitet gemeinsam mit europäischen Glasherstellern an einer völlig neuen Wannentechnologie, die einen Umstieg auf grüne Energie möglich machen wird. Die Wanne der Zukunft (furnace for future) wird eine Hybridwanne sein, die mit bis zu 80% mit Strom betrieben wird. Das bedeutet, dass bis zu 80% des fossilen Energieträgers Erdgas durch erneuerbare elektrische Energie ersetzt werden können.

Schlusswort von Dr. Hauke

Ich bin zuversichtlich, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft gelingt: Österreich ist Recyclingvorreiter in Europa und weltweit. Österreichs Umwelttechnologie und Circular-Economy-Know-How sind international gefragt. Neben Glas erfüllen wir auch für die Packstoffe Papier und Metall bereits heute die Recyclingziele für 2030 des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes. Für das ungemein vielseitige und daher entsprechend komplexe Material Kunststoff sind wir auf dem richtigen Kurs. Das bedeutet ganz wesentlich auch, dass wir in der Lage sind, Österreichs Wirtschafts- und Industriebetriebe verlässlich mit Altstoffen zu versorgen, die wichtige Sekundärrohstoffe für die Produktion neuer Güter und neuer Verpackungen sind. Gerade jetzt, wo wir sehr unmittelbar die Verletzlichkeit der globalen Lieferketten spüren, ist dies besonders bedeutsam für unser Wirtschaftsleben, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Österreich und unseren Wohlstand.

Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche uns allen, dass das Glas weiterhin so fleißig gesammelt wird. Nur so kann der Rohstoff weiterverwendet werden.  Eure Trennsetterin

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Quellen